Sieben Jahre Stille. Dann wieder Spuren. Blutige Rituale. Erstickte Schreie...
Es gibt keine Akte, die vollständig ist. Nur Fragmente. Ein Datum. Ein Wald. Ein Name, den die älteren unter uns nicht mehr aussprechen — nicht laut, nicht einmal im Flüsterton, wenn es sich vermeiden lässt. Alle paar Jahre dasselbe Muster: Stille. Dann Spuren. Tierkadaver, kunstvoll drapiert. Reste von Ritualen, die niemand zu Ende denken will. Dann eine Stille, die anders klingt als die davor. Manche werden gefunden. Aber oft wird nur gefunden, was von ihnen übrig geblieben ist.
Genau deshalb ist unsere Organisation in dieser Nacht in zwei Lager gespalten:
Auf der einen Seite steht die breite, zitternde Masse der alten Hasen. Was in den vergangenen Nächten im Waldgebiet beim Schafstall entdeckt wurde, trägt eine Handschrift, die erfahrene Ermittler aus den alten Akten wiedererkennen: Kreise aus Stein, Asche und den Überresten dessen, was dort geopfert wurde. Das hat neue Ermittlungen notwendig gemacht. Doch die alten Hasen, die die letzten Male überlebt haben, haben in dieser Woche merkwürdigerweise alle zeitgleich Urlaub genommen. Sie sitzen lieber winselnd in ihren hell erleuchteten Wohnzimmern. Sie wissen genau, warum. Er ist nämlich nicht allein. Das steht in keinem Bericht, aber jeder, der lange genug in den alten Akten gelesen hat, weiß es. Etwas bewegt sich um ihn herum. Festgehalten wurde es nie — nur als Schatten am Rand der Fotos, die keiner von uns länger als nötig ansehen wollte.
Aber zum Glück gibt es da noch eine Handvoll wiederkehrender Veteranen. Ein paar absolute Verrückte unter den Profis, die den Nervenkitzel brauchen und sich diesen Albtraum tatsächlich ein zweites Mal antun. Sie kehren freiwillig in das Dickicht zurück – entweder, weil sie noch eine offene Rechnung mit ihm offen haben, oder weil sie einfach nicht ganz richtig im Kopf sind.
Und dann gibt es Euch. Das unbeschriebene, völlig ahnungslose Frischfleisch. Die überwältigende Mehrheit unserer heutigen Truppe. Übrig geblieben sind die Frischlinge — die durften in der Probezeit ohnehin noch keinen Urlaub beantragen. Die neuen Ermittler, die diesen Text hier zum ersten Mal lesen und noch nie echtes Blut im Unterholz gerochen haben. Ihr haltet Euch für mutig, weil Ihr ein paar True-Crime-Podcasts gehört habt? Süß. Die Organisation wünscht Euch viel Erfolg. Hängt Euch am besten direkt an die Fersen der Veteranen – vorausgesetzt, Ihr könnt Schritt halten, wenn das Grauen die Jagd eröffnet.
Am 31. Oktober zieht die nächste Gruppe hinein. Wenn ihr euch traut, ist es eure. Pünktlich mit dem Einbruch der Dunkelheit um 18:00 Uhr öffnet sich das Tor zu Eurem persönlichen Albtraum. Ihr zieht in kleinen Gruppen los, bewaffnet mit flackernden Laternen und einer gehörigen Portion Selbstüberschätzung, entlang einer Strecke, die nur spärlich mit Knicklichtern markiert ist. Erwartet kein Popcorn-Kino und keine Streichelzoo-Atmosphäre. Das hier ist eine kompromisslose Live-Inszenierung mitten im echten, unwegsamen Wald. Wenn hier jemand im matten Schein des Dochts um Hilfe schreit, dann seid das vermutlich Ihr.
Der Schleier ist zerrissen. Das Dickicht wartet auf das nächste Frischfleisch.
Folgt den Spuren. Bleibt zusammen. Hört auf jedes Geräusch, das nicht zum Wald gehört. Die kunstvoll drapierten Tierkadaver und die Kreise aus Asche und Stein auf Eurem Weg sind keine billige Deko. Hartwigs Jünger lauern bereits im Unterholz. Sie lieben diesen Moment, wenn das stolze neue Frischfleisch plötzlich das Atmen vergisst, panisch die Orientierung verliert und die Laterne fallen lässt, sodass nur noch die Dunkelheit bleibt. Sie werden Euch jagen, noch bevor der Meister selbst das Messer wetzt.
Schließt die Reihen, versucht Eure Nerven im Zaum zu halten und denkt daran: Nicht jeder, der in diesen Wald geht, kommt genauso zurück, wie er gegangen ist — manche kommen gar nicht zurück, und manche kommen zurück, aber anders, als sie gegangen sind. Und der Rest? Nun, die Opferstätten brauchen ohnehin neues Material. Mal sehen, wie weit Ihr kommt.
Euer "Überlebens"-Briefing (Falls Ihr wirklich antreten wollt):
- Eine Strecke durch das Waldgebiet, in kleinen Gruppen, markiert mit Knicklichtern und Wegmarkierungen
- Live-Inszenierung — kein Film, keine Aufzeichnung, echte Menschen im Wald
- Intensive, teils erschreckende Momente entlang der Strecke
- Warme Kleidung und festes Schuhwerk empfohlen
Wichtig: Diese Veranstaltung enthält explizite Horror-Inhalte, intensive akustische und optische Schreckmomente sowie körperliche Anstrengung im unebenen Gelände bei Dunkelheit. Sie ist ausschließlich für Personen ab 18 Jahren geeignet und nicht geeignet für Herzpatienten, Schwangere sowie Personen mit sonstigen gesundheitlichen Einschränkungen, bei denen Schreckmomente oder körperliche Belastung ein Risiko darstellen können.
Die Teilnahme erfolgt auf eigene Gefahr; für Schäden, die im Rahmen der üblichen Veranstaltungsrisiken entstehen, wird — soweit gesetzlich zulässig — keine Haftung übernommen.
Nur eine begrenzte Anzahl an Gruppen pro Nacht — wer zu spät kommt, geht leer aus.